Batman - Blogbeitrag

Die schockierende Wahrheit über Helden

Ein ganz gewöhnlicher Tag im Alltag eines Helden.

Nehmen wir zum Beispiel … Batman.

Der Wecker klingelt. Batman tastet nach dem Wecker, flucht leise. Er hätte gestern nicht so viel trinken sollen. Aber bei einem so anstrengenden Leben braucht man hin und wieder ein bisschen Entspannung.

Er drückt auf die Schlummerfunktion. Noch fünf Minuten, dann geht seine disziplinierte Morgenroutine los.

Auf dem Nachttisch liegt die To-do-Liste. Mit Kästchen, zum Abhaken. Wenn er alle schafft, kriegt er am Abend eine Belohnung. Einen Schokokuchen.

Eigentlich wollte er sich das längst abgewöhnen, aber seine Frau hat ihn verlassen und man gönnt sich ja sonst nichts …

Das geht so nicht.

Batman fasst einen heldenhaften Entschluss: Wenn er es schafft, statt dem Kuchen einen Proteinshake zu trinken, darf er dafür abends Netflix schauen.
Schon ein bisschen motivierter schaut er auf seine To-do-Liste:

  • Mindestens einen Superschurken fangen
  • Pressekonferenz, um sein Image aufzumöbeln
  • Fotoshooting für die Werbekampagnen für das Superfood
  • Mindestens zwei Stunden Workout, damit das Kostüm gut sitzt

Batman wird immer deprimierter. Aber er wird durchhalten. Er ist schließlich ein Held.

Wacker schlägt er die Bösen und sich durch den Tag.

Das nagende Gefühl, dass nach einer Heldentat die nächste folgen wird … und dann die nächste und wieder die nächste … lässt ihn nicht mehr los. Und wozu überhaupt das Ganze? Kann sich die Welt nicht selbst retten?

Er muss wieder mal in Therapie gehen. Er kann sich keine Selbstzweifel leisten, schließlich wird er gebraucht, er ist umzingelt von Idioten ohne Superkräfte.

Also trägt Batman ‚Therapie zur Selbstoptimierung` in seine To-do-Liste ein.

Ärger steigt in ihm hoch. Wenn seine Frau ihn nicht verlassen hätte, wäre alles ganz anders gekommen.  Er – ein Workaholic? Was konnte ER denn dafür, dass sein Terminkalender zum Bersten vollgestopft war.

Sein Pieper piepst.

Es gibt einfach zu viele Bösewichte in dieser Welt.

Wieder ein Banküberfall.

Leise ächzend stürzt er sich aus dem Fenster, das Cape flattert elegant hinter ihm her, er hat sein Superlächeln im Gesicht.

Innerlich aber weint er.

Nur mehr siebenundzwanzig Jahre bis zur Pension. Dann würde er sich zurückziehen, auf eine Insel. Und selber zum Bösewicht werden. Eine Bank ausrauben.

Dieser Gedanke beflügelt ihn.

Als er beim Banküberfall eintrifft, gibt es schon eine Geiselnahme.

Batman strafft die Schultern.

Heute Abend würde er wieder was Starkes zum Trinken brauchen. Nein, doch keinen Proteinshake. Whisky. Und dazu einen Schokokuchen.

Weil er es sich wert war.

ENDE

So.
Und DAS ist nun die schockierende Wahrheit über Superhelden?
Bäh, nein.
Sonst wären wir ja alle bereits Helden.

Was also, verflixt nochmal, ist die schockierende Wahrheit hinter der Maske eines Menschen, der als Fledermaus in einer Höhle zurückgezogen lebt?

Okay, ich verrate es dir ja schon.

Abwarten und Tee trinken.

Ja, du liest richtig.

Das ist seine wahre Superkraft:

Auf Abstand gehen.
Denken.
Abwarten.
Tee trinken.
Auf den richtigen Impuls warten.
Und dann erst handeln.

Batman hängt also an seiner Höhlendecke, inmitten des größten Chaos und er trinkt Tee.

Und wartet ab.

Er wartet aber nicht auf Bewunderung, im Gegenteil. Er meidet sie wie die Pest. Sie würde ihm seine Superkräfte kosten.

Ein Superheld kümmert sich nicht um sein Image, um Lob und Anerkennung. Er verfolgt keine Ziele, die andere für ihn vorgefertigt haben. Er kümmert sich nicht um sein Äußeres (mal ehrlich, wie sexy ist eine Fledermausmaske denn?) und verwendet seine Muskelkraft nur, um ein einziges Ziel zu erreichen:

Ein höheres Ziel, das er für sich erkannt hat und das er im Geheimen verfolgt. Er muss dabei unerkannt bleiben und auf Berühmtheit verzichten.

So ist das also.

Helden wachen in der Früh auf und sie wissen, was sie zu tun haben.
Abwarten und Tee trinken.
Daraus ergibt sich der erste Schritt.
So sind sie vollkommen frei.

Und damit sie nicht drauf vergessen, schreiben sie es sogar an erste Stelle ihrer To-do-Liste.

Du meinst, das kann ja jeder?

Stimmt.

Abwarten und Tee trinken ist aber nicht gleich Abwarten und Tee trinken.

Man kann herumhängen und jammern und dabei Tee trinken.

Das würde ein wahrer Held niemals tun.

Er trinkt Tee und nimmt eine höhere Perspektive ein. Auf ihn persönlich kommt es dabei nicht an. Und er weiß, wann sich die richtige Handlung daraus ergibt.

Nun weißt du Bescheid.

Über die schockierende Wahrheit der Helden.

(Psst, eine unangenehme Nebenwirkung davon: Du kannst  niemand anderen mehr für dich und dein Handeln verantwortlich machen. Ich will es nur am Rande und als Kleingedrucktes erwähnt haben. Damit du nicht behaupten kannst, ich wäre schuld daran, dass du – anstatt Karriere zu machen – lieber Tee getrunken hast.)

Das klingt ja alles total metaphysisch, oder?

Eben, deswegen gibt es den Tee dazu. Und vielleicht noch ein paar Kekse. Oder Schokokuchen.

Nein, niemals einen Proteinshake.

Wenn du glaubst, dass es keine teetrinkenden Helden gibt, dann lies ‚Silberblut‘. (Ich wüsste es auch nicht, wenn ich es nicht selbst geschrieben hätte.)

Und ich weiß auch nicht, wie man kopfüber einen Tee trinkt. Das musst du selbst herausfinden.

Nun, lieber Held, was denkst du darüber? Schlägst du dich heldenhaft mutig durchs Leben, um anderen zu gefallen und ohne innezuhalten? Oder hast du deinen Weg aus der Anerkennungsfalle gefunden und ist es womöglich gar nicht Teetrinken?

Schreib mir heldenhaft in die Kommentare.

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Janine (Fukurou)
Janine (Fukurou)
3 months ago

Ohman und wie viele Arten von „abwarten und Teetrinken“ es gibt 😱
Von angespannt über nervös bis hin zu ich hab nichts besseres zu tun. Aber die entspannte Variante mit: die Gedanken baumeln lassen und so die besten Ideen zu bekommen ist mir die liebste 🥰 nur das ich merke, dass man diesen zen Zustand durch zu viel Stress oft nicht erreicht… vielleicht brauche ich auch einfach einen neuen Assam und muss mir noch mal ein paar Arjun Sprüche in der Umgebung aufhängen 😉

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